Unser Ziel? - Die echte Gemeinschaftsschule


Die schulstrukturelle Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft – Individualisierung des Lernens, gerechtere Verteilung von Bildungschancen, nachhaltige Förderung statt Auslese, Auffangen des absehbaren weiteren Rückgangs der Schülerzahlen - ist die wohnortnahe Gemeinschaftsschule, in die alle Schüler von Klassenstufe 1 bis Klassenstufe 10 gehen.

Die Idee der Gemeinschaftsschule knüpft an das pädagogische Konzept der integrierten Gesamtschule an. Im Saarland kann damit fortgesetzt werden, was in den Gesamtschulen im letzten Vierteljahrhundert geschaffen wurde.

Für die Schulstandorte bedeutet das schon heute: rückläufige Schülerzahlen dürfen nicht automatisch zu weiteren Schulschließungen führen. Bei einer weiteren Konzentration würden immer weniger Kommunen Bildungsangebote machen können. Die Schulwege würden für Kinder zwangsläufig immer länger und für Eltern immer kostspieliger. Die Entfernung zum Schulstandort darf jedoch nicht über Bildungschancen entscheiden. Deshalb muss die weitere Entwicklung vor allem als Chance begriffen werden, möglichst günstige Rahmenbedingungen für eine Verbesserung der Qualität von Bildung und Betreuung zu schaffen.


Eine sorgfältige, standortbezogene Schulentwicklungsplanung, die sich in erster Linie der Verbesserung des Lernens verpflichtet weiß, ist dazu unabdingbar. Diese Planung muss nachhaltig sein und darf nicht am Ende einer Legislaturperiode Halt machen; sie muss im Rahmen eines Bildungsbündnisses erfolgen, das zwischen dem Land, den kommunalen Schulträgern, Schülern und Eltern, Lehrern und anderen Multiplikatoren geschlossen wird.

Möglichst bald mit dem Aufbau der Gemeinschaftsschulen beginnen

Wir gehen realistischerweise davon aus, dass es für eine Übergangszeit in der Sekundarstufe I eine Aufteilung der Schülerinnen und Schüler auf zwei Schulformen ("Wege") geben kann: auf die Gemeinschaftsschule einerseits, in der Erweiterte Realschulen und Gesamtschulen zusammenkommen und auf die Gymnasien andererseits. Auf beiden Wegen soll es möglich sein, alle allgemein bildenden Schulabschlüsse innerhalb von 12 oder 13 Jahren zu erreichen.

Mit der Vorbereitung der Gemeinschaftsschule kann sofort begonnen werden, so dass erste Schulen bereits zum Schuljahr 2011/12 ihre Arbeit aufnehmen können.

Längeres gemeinsames Lernen


Gemeinsames Lernen in der Gemeinschaftsschule ist Europa- und weltweit üblich. Deutschland und Österreich sind die einzigen Länder in Europa, die ihre Schüler bereits nach vier Jahren Grundschule auf mehrere Schulformen verteilen und damit Lebenswege zementieren.

Eine zu kurze gemeinsame Grundschulzeit ist mit Leistungsdruck verbunden, der die grundlegende eigenständige pädagogische Arbeit der Grundschule oft schon von Anfang an gefährdet. Nach der sechsten Klasse können Kinder schon sehr viel besser über ihren schulischen Bildungsweg mit entscheiden und das soziale Lernen kommt nicht mehr zu kurz. Das ist ein wichtiger Schritt zur echten Gemeinschaftsschule.

Berlin, Brandenburg und bald vielleicht auch Hamburg haben die sechsjährige Grundschule. In Nordrhein-Westfalen findet künftig in den Klassen 5 und 6 für alle Schülerinnen und Schüler der neuen Gemeinschaftsschule gemeinsamer Unterricht statt. Laut repräsentativer Umfragen unterstützt mittlerweile eine große Mehrheit der deutschen Eltern (64 %) eine längere gemeinsame Schulzeit von 6 oder mehr Jahren. Das zeigt deutlich, dass die Akzeptanz für unser Modell einer sechsjährigen Primarstufe groß ist und steigt. Selbst Ministerpräsident Müller bezeichnet diese Lösung nach dem Hamburger Modell als "tragbaren Kompromiss". Deshalb sollte auch das Saarland Flagge zeigen. In der 5. und 6. Klasse der sechsjährigen Primarstufe sollen den Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen vermittelt werden, die derzeit in den beiden ersten Klassen der weiterführenden Schulen angeboten werden.

Konsequenz: Streichung der Schulformen aus der Verfassung


Soweit und sobald es im Interesse der Neustrukturierung und nachhaltigen Verbesserung des Schulwesens notwendig ist, die Verfassung des Saarlandes zu ändern, werden wir dem zustimmen. Die vernünftigste Lösung des Verfassungsproblems, das es in dieser Form nur im Saarland gibt, besteht in der Streichung aller Schulformen aus der Verfassung.

Nur so ist es möglich, Schule in einer sich stetig wandelnden Gesellschaft zukunftsgerecht zu gestalten. Es ist falsch, die Dauer von Bildungsgängen festzuschreiben - sei es in der Verfassung oder in Zusatzerklärungen. Mit dem verfassungsrechtlichen Ausschluss einer sechsjährigen Primarstufe widerspricht Peter Müller seiner eigenen Aussage zum Hamburger Modell!


Wir können keiner Änderung der Verfassung zustimmen, welche Wege zu längerem gemeinsamem Lernen über das 5. Schuljahr hinaus endgültig verbaut und Schulen erster und zweiter Klasse zulässt. Es ist für uns vielmehr selbstverständlich, dass die Gleichbehandlung der Schulformen im Rahmen ihrer Aufgabenstellung materiell gewährleistet sein muss.

Wenn wir einen wirklichen Schulfrieden im Sinne unserer Kinder erreichen wollen, müssen alle Beteiligten zusammenrücken - auch im Parlament. Diesen Weg muss eine Landesregierung bereiten …